Weihnachtsgeschichte

Weihnachten einmal anders betrachtet

aus 

Ich will dich beschenken! - Gott

24 inspirierende Gedanken zur Advents- und Weihnachtszeit

von Jürgen Werth

... den Himmel.

SO, wie ich ihn mir jetzt einfach mal vorstellen will.

Es ist, sagen wir mal, im Jahr 5 vor unserer Zeitrechnung.

Ein Berater stürmt aufgeregt in den himmlischen Thronsaal:

"Sag, dass das nicht wahr ist, großer Gott! Du willst deinen 

Sohn in die Welt schicken? Zu den Menschen, zu diesen Menschen?

Weißt du, dass das lebensgefährlich ist?

Und richtig zur Welt kommen soll er? Wie ein gewöhnliches

Geschöpf? Als - Baby? Du bist doch der Schöpfer!

Und dann der Geburtsort: Bethlehem! Gut, da kommt

David her - aber das ist Geschichte! Lange her! Wer spricht

heute noch von Bethlehem! Ein Kaff ist das doch!

Und die Eltern! Maria - das Mädchen kennt doch keiner!

Und Josef ist Handwerker, Zimmermann! Das sind doch ganz

gewöhnliche Leute!

Als Geburtsort hast du eine schlichte Behausung ausgesucht,

habe ich gehört. Also wirklich, ist im "King David" in

Jerusalem denn so gar nichts mehr frei? Soll ich mal anrufen?

Und Hirten sollen das Begrüßungskomitee bilden, das ist

mir ebenfalls zu Ohren gekommen. Hirten! Wer nichts wird,

wird Hirt! Wenigstens der Bürgermeister sollte kommen! Wenigstens der!

Das geht alles überhaupt nicht! Bedenke deinen Imageverlust,

Gott! Das kriegst du nie wieder hin."

Aber der große Gott lächelt ihn freundlich an:

"Ja, ich mache mich ganz klein. Ich will für keinen mehr zu groß sein.

Ich werde ohnmächtig. Ich will für keinen mehr zu stark sein.

Ich komme meinen Menschen ganz nah. Ich komme in sie

hinein, will mit ihren Augen sehen, mit ihren Ohren hören.

Will fühlen wie sie, will denken wie sie.

Ich werde unbedeutend. Alle sollen sich zu mir trauen können.

Ich werde arm. Man kann künftig mit dreckigen Schuhen

zu mir kommen, mit ungewaschenen Händen, mit abgetragenen Kleidern.

Ich will meinen Menschen zeigen, wozu wahre Liebe fähig

ist. Ich will ihnen diese Liebe zeigen. Sie sollen endlich erkennen,

wer ich wirklich bin. Ich will sie zurücklieben in meinen Himmel."

... den Himmel - nocheinmal.

Mehr als drei Jahrzehnte sind inzwischen vergangen.

Und der Berater ist noch ein bisschen entrüsteter als damals:

"Jetzt lässt du dir den Prozess machen! Umgekehrt wär's

angemessen! Umgekehrt!

Gefoltert wird er, angespuckt, ausgelacht, ans Kreuz genagelt

- das ist dein Sohn! Das bist du! Das hat ein Gott nun

wirklich nicht nötig!

Dir glaubt keiner mehr, dass das dein Sohn ist."

Aber Gott bleibt auch diesmal dabei:

"Ja, ich lasse mir den Prozess machen. Und ich nehme das Urteil an. 

Erleide die Strafe. Damit Menschen auf ewig straffrei ausgehen können. 

Anders kriegen wir das Problem der Schuld nicht weg.

Ich gehe für sie den untersten Weg, bis in den Tod. Ich will

wissen, was Sterben ist. Keiner soll mehr sagen können: "Hier

unten kennst du dich nicht aus."

Ich will sie mit Liebe überwältigen. "Niemand hat größere

Liebe als der, der sein Leben lässt für seine Freunde", habe ich

ihnen ausrichten lassen.

Krippe und Kreuz - beides ist unvorstellbar. Undenkbar. Unglaubbar. 

Stellt alles auf den Kopf. Und gehört auf geheimnisvolle Weise zusammen. 

Und das nicht nur, weil's so eine schöne Alliteration ist. 

Weihnachten hören wir: "Euch ist heute der Heiland geboren!" 

Und nach Karfreitag und Ostern:

"In keinem anderen ist das Heil als in dem Gekreuzigten und

Auferstandenen. "

Gott kommt aus der Komfortzone der himmlischen Herrlichkeit

in die Todeszone der irdischen Erbärmlichkeit. Und

Menschen werden heil - durch das Kind in der Krippe und

durch den Mann am Kreuz. 

Durch den Auferstandenen, den Todbesieger. 

Den Angstbesieger. Den Verzweiflungsbesieger.

Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Und er ist der Sohn von

Maria. Ganz Gott und ganz Mensch. Er ist Gottes Himmel

mitten im Alltagsstaub unserer Erde. Eine merkwürdige Kombination.

Aber eine heilvolle, eine heilende Kombination. 

Ein Geheimnis, das man nicht so einfach auflösen kann und auch

nicht auflösen sollte.

Rätsel kann man lösen. Geheimnisse muss man stehen lassen,

bestaunen, bewundern. Dann erschließen sie sich. 

Wunder kann man nur bewundern. 

Und auf diese Weise werden sie immer wunderbarer ...

Manfred Flach 1. Vorstand

bzw. J. Werth